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Erfahrungen aus "Legersicht" / "Hormonspiralen"

Verfasst: 11.02.2018, 11:53
von Dr.Michael Gampe
Liebe Userinnen , durch Zufall bin ich auf diese Seite geraten, weil ich mich im Augenblick auf einen kleinen Vortrag über das Thema beim FOKO in Düsseldorf vorbereite.
Ich lege IUS seit deren Existenz , also seit etwa 1995 ,in der Woche etwa drei mal. Ich überschaue also etwa 3000 sujektive Erfahrungen meiner Patientinnen.In meiner Praxis liegt der Zufriedenheitsgrad bei 98% bezogen auf die Zeit der Liegedauer. Die Zufriedenheit ist absolut abhängig von der Qualität der Aufklärung : Erst das Medikament , die Erwartungen der Patientinnen damit , die familiäre Situation ( zufriedene ,stabile Partnerschaft vs. "Stress" in der Familie, am Arbeitsplatz , eben die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben ) . Dass im ersten halben Jahr Blutungsstörungen auftreten können ,muss (!) erwähnt werden. Auch , wenn vorher eine "Pille" für ein gutes Hautbild eingenommen wurde , muss darauf hingewiesen werden , dass bei Wegfall der Einnahme ( n i c h t , weil jetzt Mirena liegt!) , die Akne widerkommen kann ,weil eben jetzt das angeborene Hormonbild vorliegt.
Wir Menschen haben bei wie auch immer gearteten Schwierigkeiten im Leben das Bedürfnis , Erklärungen zu suchen ( "Kausalitätsbedürfnis") und neigen dazu , lieber Andere oder Anderes für unsere Situation verantwortlich zu machen . In der Geburtshilfe z.B. geistert immernoch herum ,dass eine Nabelschnurumschlingung des Kindes vom Wäscheaufhängen in der Schwangerschaft kommt . Da gibts noch viele solche Dinge...Es ist z.B. völlig unlogisch, dass ein IUS ursächlich für Depressionen sein soll : In den 5 Jahren Liegedauer eines IUS würde eine andere Pat. 1680 Tabletten der Stillpille einnehmen (sehr ähnlicher Wirkstoff) ! Eine IUS Anwenderin nimmt die Hormonmenge von 28 (!) Tabletten, verteilt über 5 Jahre (!), dieses Hormons auf . Und über die Stillpille werden derartige "Depressionen" kaum berichtet . Die stillende Frau ist eben in einer anderen (glücklicheren?) Lebenssituation ,als jemand ,der langzeit verhüten möchte und eine Familie mit allen ihren täglichen Stresssituationen , vielleicht die Doppelbelastung mit Arbeitsstelle ,managen muss. Vielleicht kommen noch nach soundsovielen Ehejahren Partnerkonflikte dazu ? Vielleicht ist der Kinderwunsch ja "nur" mit dem Verstand abgehakt ,aber das Unterbewusstsein ist anderer Meinung ? Wäre das ein Denkansatz für die Klagen ,unter Mirena "Depressionen" zu haben ? Jedenfalls bin ich hoch erstaunt , wieviel Unzufriedenheit hier geäußert wird ,widerspricht das doch meinen eigenen persönlichen Praxiserfahrungen in 20 Jahren und 3000 Mirenapatientinnen. Aber wahrscheinlich ist es so, wie bei anderen Dingen auch : Die schweigende, zufriedene Mehrheit äußert sich nicht. Es ist im menschlichen Leben immer so,dass es nur zwei Dinge gibt , die hundertprozentig sind : die eigene Geburt und der eigene Tod. Dazwischen gibts immer nur Wahrscheinlichkeiten . Aus ärztlicher Sicht sind Hormonspiralen die sichersten , best ververträglichsten, preiswertesten Langzeitverhütungsmittel. Vorallem tun sie das ,was sie sollen, mit viel geringerem Gesundheitsrisiko : Sie verhüten eine ungewollte Schwangerschaft , die sonst vielleicht das Leben in unerwünschte Bahnen gelenkt hätte oder gar in einem Abbruch geendet hätte. Aber es muss vor Einlage das Obige unbedingt besprochen werden ! In diesem Sinne einen schönen Sonntag . Ihr Dr. Michael Gampe , Bad Windsheim .